Interview – stellv. Wehrleiter Christian Hinz

Dienstag, 24. Dezember 2013 | Niklas

Haui, mit bürgerlichem Namen eigentlich Christian Hinz, wurde am 16. August diesen Jahres 30 Jahre alt. Wir haben sein großes Jubiläum zum Anlass genommen, um ihm nach Dienstschluss ein paar Fragen zu stellen. Es ist das erste Interview für die Webseite der FF Neindorf und es ist prompt ein sehr persönliches, aber auch politisches Gespräch dabei raus gekommen. Dieses erste Interview, so wünschen wir es uns, soll der Beginn einer Reihe weiterer spannender Gespräche mit Kameradinnen und Kameraden, aber auch mit Neindorfer Bürgern sein.

 

Haui, wie geht es dir jetzt mit 30 Jahren? Schon erste Wehwehchen?

 

Immer noch gut, nicht anders. Andere Zahl steht davor. Ansonsten fühle ich mich super.

 

Und Treppe vorm Rathaus wieder sauber?

Die ist wieder sauber, da war überall ziemlich viel Sägespäne verteilt. Ich hab ganz schön geschwitzt, aber das haben meine Freunde und die Feuerwehr echt gut gemacht.

 

Die Geburtstagsfeier war gut?

 

Die hat viel Spaß gemacht, haben sich alle viel Mühe gegeben. Sie hatten eine schöne Diashow vorbereitet, tolle Geschenke, super.

 

Erzähl uns doch mal, wie du überhaupt zur Feuerwehr gekommen bist?

 

Ich war früher viel bei meiner Oma in Hamersleben, wo auch meine beiden Onkel gewohnt haben. Einer meiner Onkel war eben in der Feuerwehr Hamersleben. Und wenn Dienstabende und Wettkämpfe anstanden, bin ich öfters mitgegangen. Und so hat sich das geprägt.

 

Und wie lange bist du jetzt schon dabei?

 

Aktiv bin ich jetzt in der Feuerwehr seit 1998.

 

Wie lange warst du in der Jugendfeuerwehr?

 

Warte, da muss ich genau nachrechnen, drei Jahre. Angefangen habe ich mit 15. Mit 16 war aber schon der Übergang in die Aktive, mit 17 habe ich teilweise schon mit Unterstützung aktiver Kameraden die Jugendfeuerwehr betreut.

 

Haui, dein schönstes Erlebnis in der Feuerwehr?

 

Es gibt viele schöne Erlebnisse, die ich in der Feuerwehr hatte. Jetzt zum Beispiel mein 30. Geburtstag war sehr schön. Sonst ist man selber zu Anderen hingefahren und hat gratuliert. Diesmal ist man selber mal in den Genuss gekommen, wenn sie mit Blaulicht und Martinshorn vorfahren und die Kameraden dich auch noch nass spritzen. Ansonsten war es schön, wie wir das Gerätehaus eingeweiht haben. Jede Beförderung ist schön. Und es ist natürlich immer schön, zusammen mit den Kameraden Dienst zu machen.

 

Dein verrücktester Einsatz?

 

Das war, als Kühe in Neindorf von der Weide ausgebrochen sind. Da mussten wir los und alle wieder einfangen. Das war eine Arbeit.

 

Dein bewegenster Einsatz?

 

Da gibt es zwei, da muss man nochmal unterteilen. Einsatztechnisch hat mich mein erster Einsatz unter Atemschutz am meisten bewegt. Das war ein Kellerbrand. Da muss ich gerade 18 oder 19 gewesen sein, frischer Atemschutzgeräteträger, vielleicht ein halbes Jahr oder Jahr. Und dann war Alarm: Stichwort Kellerbrand. Dann bin ich mit einem Kameraden in den Keller und man hat dort nicht sehen können, es war wirklich sehr verraucht! Wir haben beide gelöscht und ich hatte große Angst, die Situation war ja völlig neu und unbekannt. Und dann gab es noch Probleme mit dem Schlauch, der hing fest und wir sind nicht vorwärts gekommen. Wir hatten zwar Wasser, konnten aber nicht näher ran, wir hingen an der Stelle fest. Mit dem Funk und der Koordination gab es auch Probleme, draußen konnten die Kameraden uns nicht richtig über den Funk verstehen.

 

Und was mich menschlich sehr bewegt hat, war unser Einsatz in Hordorf. Der war zwar einsatztaktisch sauber abgewickelt, das war super, wie das alles abgelaufen ist. Wir haben alle funktioniert. Aber man hat die verstorbenen Menschen alle bergen müssen und das nimmt einen schon mit. Das kommt dann erst zwei, drei Tage später. Ich hab immer noch in Erinnerung, wie wir in den Zug rein geklettert sind, um die Menschen dort rauszuholen. Eine verletzte Person hat mich noch von der Trage aus anguckt mit ihren knallroten Augen, da waren alle Äderchen geplatzt.

 

Schlimm fand ich persönlich, wie sich die Medien an der Einsatzstelle verhalten haben! Das ist ja Wahnsinn, wenn man das mal selber miterlebt.

 

Erzähl mal was über deine Laufbahn in der Feuerwehr – wie wird man denn zu dem, was du jetzt bist?

 

Laufbahn in der Feuerwehr ?

 

Also deine Beförderungen?

 

Meine erste Beförderung habe ich ja ziemlich spät bekommen. Ich bin 2000 oder 2001/2002, ich muss lügen, ich weiß es selber nicht genau, zum Feuerwehrmann befördert wurden – also vom Anwärter zum Feuerwehrmann. Dann ging es gleich ein Jahr drauf weiter zum Oberfeuerwehrmann. Auf den Hauptfeuerwehrmann habe ich noch ein paar Jahre gewartet, zwei oder drei. Dann habe ich noch den Maschinisten gemacht und bin dann nachher mit abgeschlossener Kreisausbildung zum Löschmeister befördert wurden.

 

Und dann ging es ja los, 2009, als wir Neuwahlen hatten. Wir Beide, also Mathias und ich, wurden als Wehrleiter und stellvertretender Wehrleiter gewählt. Da musste ich ja vorher meinen Gruppenführer und den Leiter einer Feuerwehr machen. Mit diesen beiden bestandenen Lehrgängen, der Einsetzung in die Funktion des stellv. Wehrleiters und den dazugehörigen Neigungslehrgängen konnte ich dann Oberlöschmeister werden. Natürlich zählen auch noch die Jugendwartlehrgänge. 17 Lehrgänge sind es insgesamt, die ich gemacht habe für die Feuerwehr, egal ob Kreis- oder Landesebene. Nach drei oder vier Weiteren, muss ich lügen, bin ich Hauptlöschmeister geworden.

 

Auf der Jahreshauptversammlung 2012 hat`s wohl nicht geklappt mit der Beförderung – was war denn los?

 

Das hat nicht geklappt. Naja es hieß, dass man auf der Ebene nicht so schnell hintereinander befördert werden soll. Finde ich Blödsinn, muss ich ehrlich sagen! Ja, also ich finde jeder, der in eine Funktion eingesetzt ist, die Lehrgänge hat, die Leistung bringt und die Qualifikation hat, der sollte auch seinen Dienstgrad bekommen, der ihm zusteht. Denn, man kann ja vom Dienstgrad ablesen, welche Funktion Jemand inne hat.

 

 Das geht bei der Feuerwehr auch?

 

Früher zu DDR-Zeiten wurde teilweise nach Dienstjahren in der Feuerwehr befördert. Heute wirst du ja nach Funktion und Ausbildung befördert. Vielleicht klappt es ja bei der nächsten Jahreshauptversammlung mit der Beförderung zum Brandmeister.

 

Wie lässt sich denn dein Engagement hier in der Feuerwehr mit deinem Beruf vereinbaren, gibt es da Probleme? Ist es schwierig? Gibt dein Arbeitgeber dir frei?

 

Also mein Arbeitgeber stellt mich für Einsätze und Lehrgänge in Absprache frei, natürlich nur wenn es möglich ist. Wenn ich im OP am Patienten arbeite, kann ich da nicht wegrennen. Man muss auch unterscheiden, ob da jetzt eine Ölspur auf dem Pager steht oder es brennt und eine Person befindet sich in einer Notlage. Die Ölspur ist auch in 15 Minuten noch da, die Person in Notlage vielleicht nicht mehr. Dann muss man noch sehen, ob mich ein Arbeitskollege im OP ablösen kann. Wenn das der Fall ist, kann ich natürlich zum Einsatz kommen, da spricht nichts dagegen. Der Arbeitgeber ist da voll mit einverstanden.

 

Deinen Pieper hast du immer dabei?

 

Den habe ich immer dabei. Der ist im Aufenthaltsraum und meine Kollegen wissen auch, was sie zu tun haben, wenn der piept! Dann muss ich kurz mit der Chefin absprechen, ob ich gehen kann oder nicht. Es ist aber bis jetzt immer möglich gewesen – da gab es noch keine Probleme!

 

Sag uns noch mal ganz kurz, was du genau für einen Beruf hast?

 

Ich bin Gesundheits- und Krankenpfleger und arbeite im OP. Seit dem 16. September befinde ich mich in der Fachweiterbildung an der Uni Magdeburg zum Intensiv- und Anästhesiepfleger.

 

Nächste Frage: Dein Know-how als Gesundheits- und Krankenpfleger in der Feuerwehr?

 

Naja das ist schon ganz schön gefragt. Die anderen können sich schon darauf verlassen, wenn man mal eine verletzte Person hat, dass man zumindest einen Kameraden mit hat, der Ahnung hat, also zumindest mehr Ahnung hat, als einer der „nur“ einen Erste-Hilfe-Schein hat. Und da verlassen sich die Kameraden auch drauf und sind, glaub ich, auch ganz froh darüber.

 

Ja, ich glaube das ist schon ganz angebracht. Auch für die Jugendfeuerwehr ist das ganz nützlich. Wenn du mit den Kindern wegfährst und dann hat mal einer was.

 

Auch sind wir oft die Ersten am Einsatzort und da ist es ganz nützlich, wenn ein Kamerad mit medizinischen Kenntnissen vor Ort ist.

 

Was wünschst du dir für die Zukunft der Feuerwehr Neindorf?

 

[Spontan, ohne lange zu überlegen] Ich wünsche mir natürlich ein neues Löschfahrzeug, viele aktive Kameraden und eine weiterhin gut funktionierende Feuerwehr.

 

Was würdest du dir als Einsatzfahrzeug wünschen?

 

Ein Löschgruppenfahrzeug 10! Ja, so wie es auch angedacht ist, dieses Fahrzeug ist sinnvoll. Die Ausstattung muss man sich dann zusammen genau überlegen und an die Bedürfnisse und den abzudeckenden Einsatzbereich anpassen.

 

Auch noch mehr Mitglieder?

 

Ja , noch mehr Mitglieder und auch mehr Engagement von denen, die sich zurzeit nicht so viel in der Feuerwehr einbringen.

 

Ja, auch mehr Engagement vom Dorf. Das Dorf hofft ja, wenn die Sirene geht und sie sind in einer Notlage oder brauchen Hilfe, dann sollen auch Leute kommen. Aber tagsüber, wenn sie Glück haben kommen fünf, wenn sie Glück haben!

 

Dann sind wir schon fast am Ende. Noch eine persönliche Frage: Wo siehst du dich in den nächsten 10 Jahren, gibt es persönliche Ziele, Pläne?

 

Also das nächste Ziel ist ja meine Fachweiterbildung, dass ich die fertig mache. Dann musste ich mich ja verpflichten, auch im Krankenhaus zu bleiben, was ich auch gerne möchte, top Kollegium!

Und natürlich Ziel für die Feuerwehr ist ein neues Einsatzfahrzeug, mehr Leute, mit Pitschi weiter die Wehr führen…

 

Also stellvertretender Wehrleiter bleiben?

 

Ja, na klar, warum denn nicht? Ich sehe da kein Problem, ich glaube Pitschi auch nicht. Ich glaube, das läuft ganz gut. Natürlich gibt es auch mal Reibereien.

 

Naja und auch noch die Beförderung zum Brandmeister bekommen?

 

Das ist aber ein bisschen nebensächlich, sage ich mal. Für uns als Feuerwehr ist es nebensächlich. Nur für mich persönlich ist es wichtig, ich bin da ein bisschen heiß auf so was.

 

Und was willst du noch für Lehrgänge in der Feuerwehr machen?

 

Ja, also wenn das jetzt mit meiner Fachweiterbildung abgeschlossen ist, würde ich natürlich auch den Zugführer machen, wenn es die Stadt wünscht. Aber das muss man dann sehen, wie sich das jetzt über die Jahre entwickelt.

 

Das persönliche Ziel ist eine Familie gründen – das gehört natürlich dazu. Mit 30 kommt langsam die Torschlusspanik [Lacht].

 

Du musstest ja deswegen schon die Treppe fegen!

 

Ja, die musste ich schon fegen. Vielleicht findet sich ja irgendwann die Richtige, dann kommt der Rest von selber. Weg ziehen will ich aus Neindorf nicht. Wenn es natürlich irgendwann mal in den nächsten Jahren beruflich nicht klappt und ich muss wegziehen – man weiß ja nie – dann wird es sein müssen. Aber es ist nicht geplant, ausNeindorf wegzugehen.

 

Das ist doch ein prima Schlusswort, ich danke dir Haui.

 

Die Fragen stellte Niklas Heucke.


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